Pressemeldung 18. Dez. 2019 Der Annaberger Bergaltar als Videoinstallation

Der Annaberger Bergaltar als künstlerische Videoinstallation

Ostdeutsche Sparkassenstiftung, Erzgebirgssparkasse, Kulturstiftung des Freistaats Sachsen und Stadt Annaberg-Buchholz ermöglichen Videoinstallation zum Annaberger Bergaltar für die 4. Sächsische Landesaustellung

Annaberg-Buchholz, 18. Dezember 2019

Eine zeitgenössische künstlerische Auseinandersetzung mit dem Annaberger Bergaltar wird im kommenden Jahr in der Zentralausstellung der 4. Sächsischen Landesausstellung »Boom. 500 Jahre Industriekultur in Sachsen« (25. April bis 1. November 2020) zu sehen sein. Der 1521 von Hans Hesse geschaffene Altar zeigt in realistischer Malweise Szenen des bergmännischen Arbeitsalltags im Erzgebirge. Die Bild- und Gedankenwelt dieses mittelalterlichen Kunstwerks ist der Ausgangspunkt einer großen Videoinstallation, die derzeit von Leipziger Künstler*innen: Clemens von Wedemeyer mit Paula Ábalos, Emerson Culurgioni, Charlotte Eifler, Deborah Jeromin und Mikhail Tolmachev. Die Großprojektion am Beginn der Zentralausstellung unterstreicht die Bedeutung des Bergbaus für die 500-jährige industrielle Entwicklung Sachsens.

Ermöglicht wird die aufwendige Produktion des Videos durch eine großzügige Unterstützung der Ost-deutschen Sparkassenstiftung, der Erzgebirgssparkasse, der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen sowie durch die Kooperation mit der Stadt Annaberg-Buchholz und der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Annaberg-Buchholz. Am 18. Dezember kam es vor dem Bergaltar der St. Annenkirche zu einer symbolischen Fördermittelübergabe. Nach ihrer Präsentation im Rahmen der Landesausstellung soll die Videoinstallation dauerhaft in einer Stätte des UNESCO-Weltkulturerbes Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří in Annaberg-Buchholz zu sehen sein.

Friedrich-Wilhelm von Rauch, Geschäftsführer der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, legt die Motive des Engagements der Stiftung für das Projekt dar: „Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung engagiert sich erneut und gemeinsam mit den Sparkassen für eine Sächsische Landesausstellung und ihr Publikum aus allen Teilen des Freistaates. Die Sparkassenstiftung ist davon überzeugt, dass auch diese Landesaus-stellung die besten Seiten Sachsens aufruft. Charakteristisch für Sachsen und das Erzgebirge ist das beständige Zusammenspiel von Tradition und Innovation. Das greift auf seine Weise das Videokunst-Projekt von Clemens von Wedemeyer zum Annaberger Bergaltar auf, das Stiftung und Erzgebirgs-sparkasse sehr gerne unterstützen.“

Roland Manz, Vorstandsvorsitzende der Erzgebirgssparkasse, begründete die Förderung des Pro-jektes mit der Verwurzelung der Erzgebirgssparkasse in der Region: „Seit ihrer Entstehung vor 180 Jahren sind die Sparkassen im Erzgebirge untrennbar mit der Industriegeschichte in ihrer Region verbunden. Als marktführender und maßgeblicher Finanzierungspartner waren und sind wir Motor der Wirtschaft, in dem wir eine Vielzahl innovativer industrieller Entwicklungen begleiteten und begleiten. Der Bergbau spielte bei der Industrialisierung des Erzgebirges und ganz Sachsens eine federführende Rolle. Deswegen ist es richtig und wichtig, dass der Annaberger Bergaltar mit seiner Darstellung der Bergbaugeschichte in einer modernen Interpretation einen Leuchtturm zur Sächsischen Landesaustellung markiert. Wir freuen uns, gemeinsam mit der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, dieses Projekt nicht nur unterstützen zu dürfen, sondern auch mit dazu beizutragen, dass die Videoinstallation nach der Ausstellung allen Interessierten zugänglich bleibt und einen nachhaltigen Platz in Annaberg-Buchholz finden wird.“

Dr. Manuel Frey, Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, über den Bergaltar in der Tradition der sächsischen Industriekultur: „Der Annaberger Bergaltar ist auch eine Art Ikone für die sächsische Industriekultur. Die Idee einer zeitgenössischen künstlerischen Bearbeitung entstand im Gespräch der Kultur-stiftung mit dem Kurator der 4. Sächsischen Landesausstellung Thomas Spring. Wir sind als Förderer der Künste stolz und auch froh, dass der Altar von 1521 dank der Videoinstallation von Clemens von We-demeyer und Paula Abals, Emerson Culurgioni, Charlotte Eifler, Deborah Jeromin sowie Mikhail Tolma-chev neu thematisiert wird  Damit kann jahrhundertealte Tradition hinterfragt werden.“

Rolf Schmidt, Oberbürgermeister von Annaberg-Buchholz, zu der Bedeutung des Altars für die Montanregion Erzgebirge: „Als Oberbürgermeister finde ich es eine hervorragende Idee, den Annaberger Bergaltar zum Leitsymbol der 4. Sächsischen Landesausstellung zu machen. Als erste große Darstellung des Bergbaus in Sachsen zeigt er eindrucksvoll, wie weit bereits im 16. Jahrhundert die technologische Entwicklung im Erzgebirge fortgeschritten war. Gleichzeitig macht der Annaberger Bergaltar als Bestandteil des UNESCO-Welterbes „Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří“ auf die Bedeutung unserer Region für die Entwicklung des Montanwesens in der Welt aufmerksam. Dieses einmalige Kunstwerk, dieses außergewöhnliche montanhistorische Zeugnis wird nun in besonderer Weise interaktiv ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Allen, die dieses Projekt in die Tat umsetzen, danke ich ganz herzlich.“

Thomas Spring, Kurator der Zentralausstellung, über die Relevanz des Bergaltars: „Der Annaberger Bergaltar ist eines der bedeutendsten Kunstwerke im Freistaat Sachsen und steht für dessen lange Ge-schichte der Industriekultur. Dank der Videoinstallation des Teams um Clemens von Wedemeyer wird er in der Zentralausstellung präsentiert werden. Die Kernaussage des Altars, dass man sein Heil durch Ar-beit auf der Erde, anstatt im Himmel finden wird, barg zu seiner Entstehungszeit im Jahr 1521 eine große Sprengkraft. Ohne diese Botschaft der Diesseitigkeit ist die Vorgeschichte der Industrialisierung in Sachsen nicht zu verstehen. Sie setzte mit dem Epochenbruch ein, der mit einer neuen Vorstellung von  Glauben, Wissenschaft und dem Platz des Menschen in der Welt einhergeht und durch den Boom des Großen Berggeschreys seine Schubkraft erhielt. Dadurch begann eine lange und kontinuierliche Entwicklung, die Sachsen als Wiege der Industrialisierung in Deutschland von anderen Regionen unterscheidet“

Prof. Klaus Vogel, Direktor des DHMD und Koordinator der Sächsischen Landesausstellung 2020, betonte noch einmal die Bedeutung der Förderer des Projektes: „Die Realisierung der Videoinstallation des Annaberger Bergaltars ist ein Meilenstein für die Zentralausstellung der 4. Sächsischen Landesaus-stellung und ein nachhaltiges Projekt, dass nur dank der erfolgreichen Kooperation unserer verschiedenen Förderer ermöglicht werden konnte. Ich möchte mich deshalb im Namen des Deutschen Hygiene-Museums herzlich bei der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, der Erzgebirgssparkasse, der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der Stadt Annaberg-Buchholz sowie bei der evangelisch-lutherischen Kirch-gemeinde Annaberg-Buchholz bedanken.“

Deborah Jeromin und Clemens von Wedemeyer für das Künstler*innenteam (dazu gehören ebenso Paula Ábalos, Emerson Culurgioni, Charlotte Eifler sowie Mikhail Tolmachev): „Unsere Arbeit trägt den Titel: ‚Ausbeutung, oder wie man die Oberfläche durchbricht’. Es ist eine künstlerische Recherche, die nah am materiellen Teil des Bildes beginnt und versucht über die Protagonistin – eine Restauratorin – Zusammenhänge des Bildes im Heute zu begreifen. Dabei wird auch eine Mediengeschichte sichtbar: Von der Malerei über Fotografie und dem Bewegtbild zur Entmaterialisierung oder Transformation in digitalen Medien. So wollen wir Arbeitsbewegungen im Bild sichtbar machen und folgen Hinweisen auf globale Zusammenhänge des Rohstoffabbaus sowie dessen Kosten. Mit diesem Ansatz versuchen wir die vergangene Identität des Bergbaus in Sachsen auf seine Gültigkeit zu befragen.“

Karsten Loderstädt, Pfarrer der St. Annenkirche in Annaberg-Buchholz, über die religiöse Dimension des Bergaltars: „Bergbau und Gottvertrauen gehören zusammen wie Schlägel und Eisen. Undenkbar für einen Bergmann, die Schicht ohne Gebet und Segen anzufahren. Gott, der "Große Bergfürst" gewährt durch die Heiligen wie beispielsweise St. Anna, die "Erzmacherin", reiche Ausbeute sowie eine unver-sehrtes An- und Auffahren. Daher der alte Bergmanngruß "Glück auf!" Die Sehnsucht nach dem Licht tragen die Knappen in ihren festen Glauben himmelwärts. Es täglich neu schauen zu dürfen, erkennen sie dankbar als Geschenk. Sie sagen: Wenn der Himmel die Erde berührt und sogar in ihre Tiefe eindringt, werden wir bewahrt und am Leben sein.“

4. Sächsische Landesausstellung • 25. April bis 1. November 2020

Boom. 500 Jahre Industriekultur in Sachsen

Die Landesausstellung lässt die Region Südwestsachsen im „Jahr der Industriekultur“ als ein bedeutendes Zentrum der europäischen Industrialisierung lebendig werden. Die große Zentralausstellung im Audi-Bau Zwickau, die vom Deutschen Hygiene-Museum ausgerichtet wird, präsentiert ein breites kulturhistorisches Panorama der sächsischen Industrieentwicklung. Parallel dazu finden an sechs Orten der sächsischen Industriegeschichte branchenspezifische Schauplatzausstellungen statt: „AutoBoom“ im August Horch Museum Zwickau, „MaschinenBoom“ im Industriemuseum Chemnitz, „EisenbahnBoom“ im Schauplatz Eisenbahn Chemnitz-Hilbersdorf, „KohleBoom“ im Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgebirge, „TextilBoom“ in der Tuchfabrik Pfau Crimmitschau sowie „SilberBoom“ im Forschungs- & Lehrbergwerk | Silberbergwerk Freiberg.

Die 4. Sächsische Landesausstellung ist ein Projekt des Freistaates Sachsen, das vom Deutschen Hygiene-Museum koordiniert wird. Weitere Informationen unter www.boom-sachsen.de und auf www.facebook.com/boom.sachsen.