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Zwickau Metropole der Industriekultur im Herzen Südwestsachsens

Herzlich willkommen in der Boom-Stadt Zwickau!

In kaum einer anderen Stadt vergleichbarer Größe begegnet man derart vielen Facetten der europäischen Industriegeschichte wie in Zwickau – der kleinen Großstadt im Herzen Südwestsachsens. So zeugen etwa die seit mehr als 110 Jahren währende Automobilbautradition, der seit dem 10. Jahrhundert nachweisbare Steinkohlenbergbau aber auch zahlreiche Lebensläufe, die fest mit der sächsischen Industriegeschichte aber auch der Zwickauer Stadtgeschichte verbunden sind, von der industriekulturellen Vielseitigkeit Zwickaus. Historische Persönlichkeiten, wie etwa der „Vater der Mineralogie und Geologie“ Georgius Agricola, der Kaufmann Salman Schocken, der Mathematiker Adam Ries oder der Maschinenbauingenieur und Automobilfabrikant August Horch, haben noch heute sicht- und erlebbare Spuren in Zwickau hinterlassen. Schon allein deshalb ist Zwickau der perfekte Austragungsort für die Zentralausstellung „Boom. 500 Jahre Industriekultur in Sachsen“, die vom 25. April bis zum 1. November 2020 im Rahmen der 4. Sächsischen Landesausstellung, im Audi-Bau Zwickau stattfinden wird.

Der Beiname „Auto- und Schumann-Stadt“ verdeutlicht, dass in der viertgrößten Stadt Sachsens Wirtschaft und Kunst, Industrie und Kultur seit Jahrhunderten und bis heute eng miteinander verwoben sind. So legten beispielsweise der Geschäftsmann Martin Römer (1432 - 1483) und der Komponist Robert Schumann, rund vier Jahrhunderte später, die Grundsteine für heutige Kultur- und Freizeitoasen, wie das heute als Stadtbibliothek genutzte Kornhaus, den Park am Schwanenteich, das aktuell größte Naherholungsgebiet in der Innenstadt; oder das jährlich stattfindende internationale Schumann-Fest. Der industrielle Boom des 19. und 20. Jahrhunderts ist ablesbar an den Wohngebieten der Gründerzeit und des Jugendstils, an neuen Kirchen oder kulturellen und sozialen Einrichtungen, die es heute noch gibt. Und auch wenn die letzte Steinkohle vor über 40 Jahren gefördert wurde – der Bergmannsgruß „Glück Auf!“ ist weit verbreitet und die traditionelle Bergparade zieht alljährlich im Advent Gäste aus nah und fern in ihren Bann.

Erstaunlich ist die Kontinuität am Wirtschaftsstandort Zwickau. Wo Carl Heinrich Wolf und Heinrich Friemann ab 1884 die Benzin-Sicherheitslampe zum Welterfolg führten, haben heute innovative Batteriehersteller ihren Sitz. An der Reichenbacher Straße nahm 1891 eine zunächst unbedeutende Leimkocherei ihre Produktion auf. Sie erlangte später globale Geltung, nachdem es gelungen war, das erste Kunstharz herzustellen. Dieses Produkt ist das Kerngeschäft der heute ansässigen Firma Arkema. Wichtigster Wirtschaftszweig ist und bleibt der Automobilbau. Die von August Horch begründete Tradition, die durch Marken wie Horch, Audi, die Auto Union und den Trabant bekannt wurde, wird von Volkswagen, zahlreichen Zulieferern und der Westsächsischen Hochschule erfolgreich fortgeführt.

Es gibt viele Zeugnisse dieser lebendigen Industriekultur in Zwickau zu entdecken. Diese können Sie auch, aber nicht nur im Jahr 2020 bei der 4. Sächsischen Landesausstellung, die unter dem Titel „Boom. 500 Jahre Industriekultur in Sachsen“ vom 25. April bis 1. November mit der gleichnamigen großen Zentralausstellung im Audi-Bau Zwickau sowie an weiteren 6 Schauplätzen der sächsischen Industriegeschichte stattfinden wird, kennenlernen.

Industriekultur in Zwickau erleben

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Kohle lässt Orangen blühen

Dass die Steinkohle in Zwickau für den Wuchs tropischer Pflanzen verantwortlich war, gehört zu den ungewöhnlichen Kapiteln der Stadtgeschichte. Grund war der durch Selbstentzündung von Steinkohleflözen entstandene Planitzer Erdbrand, der erst in den 1860er Jahren  gelöscht werden konnte. 1837 gründete Ernst August Geitner die „Treibegärtnerei“, in der er die mit über 70° C aufsteigenden Dämpfe für seine Gewächshäuser nutzte, um exotische Pflanzen zu züchten. Alexander von Humboldt machte in der hiesigen Pflanzenzucht wissenschaftliche Untersuchungen.

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Mobilität auf zwei Schienen

Auch wenn Zwickau Autostadt ist, so spielen die „zwei Schienen“ eine große Rolle: Bereits ab 1894 verkehrten Straßenbahnen. Der Fahrpreis betrug 10 Pfennige, die Fahrzeit vom Bahnhof über den Markt bis zum Stadtteil Schedewitz dauerte insgesamt 40 Minuten. Ca. 6,6 Millionen Fahrgäste werden heute jährlich mit den Straßenbahnen auf vier Linien befördert. Sehenswert ist der unweit des August Horch Museums gelegene Straßenbahnbetriebshof aus den 1920er Jahren. Ebenfalls erhalten ist die Maschinenhalle (heute im Besitz der Zwickauer Energieversorgung) an der Werdauer Straße, wo sich einst das erste Straßenbahndepot befand.

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Buntes Leben im Alten Gasometer

Nördlich des Muldeparadieses und direkt gegenüber dem beeindruckenden Renaissanceschloss Osterstein befindet sich das Backsteinrund des Alten Gasometers. Er zählt heute zu den bedeutenden Industriedenkmalen Zwickaus. Zugleich ist er ein beindruckendes Beispiel, wie neues Leben in alte Mauern einziehen kann. Heute fi nden hier unterschiedlichste Konzerte, Theateraufführungen, Feste und Feiern, Tagungen und Lesungen statt. Das soziokulturelle Zentrum mit seinen drei Themenfeldern Kultur-, Jugend- und Demokratiearbeit bietet Platz für Vereine, Institutionen und Gruppen.

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Die Sehnsucht nach dem Ursprünglichen

Der gesellschaftliche Konservatismus und die voranschreitende Industrialisierung bildeten ein starkes Spannungsverhältnis, das an der Schwelle des 19. zum 20. Jahrhunderts zur Entwicklung der Stilrichtung des Expressionismus beitrug. Die Suche nach dem Ursprünglichen und die Sehnsucht nach einem Paradies kennzeichnen auch das Werk des Brücke-Künstlers Max Pechstein. Dessen Werke sind in dem nach ihm benannten Museum in den Kunstsammlungen Zwickau zu sehen, der weltweit größten Dauerpräsentation mit Werken des in Zwickau geborenen Expressionisten.

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Mehr Events, mehr Jugendstil

Zu den einmaligen Locations, die um die vorletzte Jahrhundertwende entstanden, gehört auch das Konzert- und Ballhaus „Neue Welt“ im Norden der Stadt. Erbaut von Johannes Henning und Emil Rascher wurde es am 31. Mai 1903 feierlich eröffnet. Die Decke des Jugendstilsaals mit seinen fünf Terrassen wird von Koren getragen. Friese, Ornamente, Kristallspiegel und Kronleuchter komplettieren das Erscheinungsbild. Zu seiner Zeit war die „Neue Welt“ das größte und vornehmste Etablissement Westsachsens. In dem eindrucksvollen Ambiente finden heute Konzerte, Partys, Empfänge, Bälle und viele weitere Veranstaltungen statt.

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Ein Kleinod über der Mulde

Unweit des Alten Gasometers und über dem Fluss befindet sich ein Kleinod: der Aussichtspunkt Muldenwarte. Seit 1896 bemühte sich der Erzgebirgszweigverein um eine Verschönerung des sogenannten Knappengrundes. Bäume und Sträucher wurden gepflanzt, zusätzliche Wege angelegt und auf einem Vorsprung am rechten Muldenhang ein schmiedeeiserner Pavillon gebaut. Diese Muldenwarte bietet noch heute, auf einer leichten Anhöhe gelegen, einen einzigartigen Ausblick über Fluss und Stadt.Gut zu sehen sind beispielsweise das Muldeparadies, das Schloss Osterstein oder das Kornhaus.

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Fußball und „Autos“

„Sachsenring, o Sachsenring, olé“ tönt es regelmäßig im Rund des neuen, auch liebvoll als „Schwanennest“ betitelten Zwickauer Stadions, wenn das Team des heimischen Fußball-Sportverein Zwickau e.V. aufläuft. Zurück geht dieser Ruf auf die BSG Sachsenring Zwickau, die in der DDR-Oberliga spielte, mehrmals den FDGB-Pokal gewann und 1976 den Einzug in das Halbfinale des Europapokals der Pokalsieger schaffte. Bereits erfolgreich war ein anderer Vorgänger von FSV Zwickau und BSG Sachsenring gewesen: In der Saison 1949/1950 wurde die ZSG Horch Zwickau erster DDR-Oberligameister.

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Ein Paradies mitten in Zwickau

Der Legende nach soll Luther bei seinem Besuch in Zwickau von wütenden Franziskanern in einen Hinterhalt gelockt worden sein. Da er sich gegen die bewaffneten Mönche nicht wehren konnte, floh Luther über die Muldenbrücke in das erstbeste offen stehende Haus. In Sicherheit soll er drinnen ausgerufen haben: „Gott sei Dank, dass er mich dieses Haus finden ließ. Denn wahrlich, es ward mein Paradies.“ Das Wirtshaus hieß von nun an, auch seiner schönen Lage wegen, „Das Paradies“. Das Haus ist nicht mehr erhalten, die Bezeichnung und die Legende aber leben mit der Paradiesbrücke und dem Muldeparadies weiter.

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Die ehrwürdigen Priesterhäuser

Die Priesterhäuser zu Fuße des berühmten Zwickauer Doms St. Marien zählen zu den ältesten erhaltenen städtischen Wohngebäuden Deutschlands. Die Ursprünge dieses bauhistorisch wertvollen Ensembles liegen im 13. Jahrhundert. Vor der Reformation wohnte hier die Geistlichkeit der Marienkirche, wie Pfarrer, Prediger und Messpriester. Heute bieten die Häuser als Museum für Stadt- und Kulturgeschichte ihren Besuchern vielseitige Einblicke in die spätmittelalterliche Lebens- und Alltagswirklichkeit aber auch zu aktuelleren Themen der Zwickau Stadtgeschichte.

Veranstaltungen in 2019

Ausstellung
Die Modernen in der Welt. Jean Molitor

7. Juli bis 6. Oktober 2019

Galerie am Domhof

Go Trabi Go
12. Zwickauer Trabant- und Ostfahrzeugtreffen

23. bis 25. August 2019

Trabant-Clubs Zwickau e. V. / Flugplatzgelände Zwickau

Markttreiben
Historisches Markttreiben »Mittelalter - Biedermeier - Industrialisierung«

14. und 15. September 2019

Domhof, Hauptmarkt und Kornmarkt

Aktionstag
Museumsnacht

26. Oktober 2019, 18 bis 24 Uhr

Städtische Museen Zwickau

Bergparade
Große Bergparade

14. Dezember 2019, ab 14 Uhr

Abschlusskonzert: Platz der deutschen Einheit

Veranstaltungen in 2020

Aktionstag
Lange Nacht der Technik

8. Mai 2020

August Horch Museum / Westsächsische Hochschule Zwickau

Ausstellung
Bilder vom Bergbau

17. Mai bis 12. Juli 2020

Galerie am Domhof

Rallye
AvD-Sachsen-Rallye

22. bis 23. Mai 2020

 

 

Ausstellung
Die Bergbautechnik der WISMUT

7. Juni bis 2. August 2020

Priesterhäuser

Aktionstag
Internationales Trabantfahrertreffen

19. bis 21. Juni

August Horch Museum / Audi-Bau Zwickau

Ausstellung
Industriearchitektur in Sachsen. Erleben – Erhalten – Erinnern

4. Juli bis 20. September 2020

Kunstsammlungen Zwickau Max-Pechstein-Museum

Markttreiben
Historisches Markttreiben & Tag des Offnen Denkmals

12. bis 13. September 2020

Innenstadt und weitere Orte

Bergparade
Große Bergparade

12. Dezember 2020, ab 14 Uhr