Sachsen und der Abbau von Silber

Das sächsische Erzgebirge auf deutscher, wie auch Krušnohoří auf der tschechischen Seite gehören seit dem 11. Jahrhundert zur Bergbaulandschaft, die sich mit der Förderung von Erzen beschäftig. So wurde im Laufe der Zeit neben Silbererz auch Silber, Zinn, Zink, Kobalt, Nickel, Kupfer und Blei, aber auch Steinkohle und Uran in Sachsen gefördert. Seit dem Jahr 2019 gehört die Region dem UNESCO-Welterbe an, welches durch viele Einzeldenkmäler, die teilweise in direkter Verbindung stehen, aber auch vielen historisch weitgehend original erhaltenen technischen Denkmälern, geprägt ist.

Auf dem Stadtgebiet vom heutigen Freiberg in Sachsen wurde im Jahre 1168 in Christiansdorf das erste Silbererz gefunden, wo der Legende nach, das Fuhrwerk von reisenden Salzhändlern bei der Durchquerung der Freiberger Mulde beschädigt wurde. Um es zu reparieren, nutzten die Händler Steine. Dabei entdeckten sie, dass einige glitzerten. Als sie die Steine später einigen Bergleuten zeigten, entdeckten diese, dass es sich tatsächlich um abbaufähiges Material handelt. Otto von Meißen erhielt im Jahr 1170 von Friedrich Barbarossa das Verfügungsrecht über die ungehobenen Bodenschätze, auch Bergregal genannt. Dadurch konnten im späten 12. Jahrhundert viele Erze und gediegenes Silber gefördert werden. Doch im 14. Jahrhundert versiegten die oberflächlichen Quellen in Sachsen, sodass das Ende der ersten Blütezeit eingeleitet wurde. Außerdem tat die um sich greifende Pest-Epidemie ihren Beitrag dazu, dass immer weniger Erze zu Tage gefördert werden konnten.

Es gab noch weitere Hochzeiten des Silberabbaus in der Region Sachsen. Dazu zählt die Zeit in der Mitte des 15. Jahrhunderts, wobei Schürfprämien als Anreiz zur Auffindung von Silbererz gezahlt wurden. Doch auch diese Blütezeit fand ihr Ende, als im 17. Jahrhundert der 30jährige Krieg wütete. Nach dem Krieg erholte sich die Region nur spärlich, sodass der Bergbau durch das Kurfürstentum Sachsens gefördert wurde. Zum Generalbergkommisar wurde dabei Friedrich Anton von Heynitz bestellt. Dieser gründete zusammen mit Friedrich Willhelm Oppel, der Oberberghauptmann in Freiberg war, im Jahr 1765 die Bergakademie Freiberg. Heute ist dies die Technische Universität Bergakademie Freiberg in Sachsen, die sich noch immer mit der Erkundung, Gewinnung, Verarbeitung, Veredlung und der Wiederverwendung von Rohstoffen und Materialien beschäftigt. Früher wurden hier die Bergleute ausgebildet, da Sachsen sich nach dem Siebenjährigen Krieg noch stärker am Abbau von Erzen orientieren musste, um die Wirtschaft anzukurbeln. Dafür brauchte man allerdings gut ausgebildetes Personal.

Im späteren Verlauf wurden mehrere Schächte zusammengelegt, erweitert und modernisiert. Dabei war der „Abrahamschacht“ der wichtigste, der bis heute einen nahezu unveränderten Zustand aus der Zeit um 1850 wiedergibt. Doch auch diesen Schächten gelang es nicht, den Niedergang des Freiberger Bergbaus aufzuhalten. Nicht etwa, weil es nicht mehr genug Erze gab, sondern der Abbau lohnte sich, nach der Einführung der Goldmark im Jahre 1973, schlicht nicht mehr. Erst während der Zeit des Nationalsozialismus im Jahre 1937 wurde die Produktion in Sachsen wieder aufgenommen. Da das Regime Autark sein wollte und daher verstärkt auf die Förderung eigener Rohstoffe setzte, als auf den Import.

Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam die Nutzung durch die Bergakademie, die bereits 1005 beschlossen und 1919 umgesetzt wurde, erneut zu tragen und auch die Förderung der Erze wurde in Sachsen weitergeführt, wenn auch in geringerem Ausmaß. So wurde der Betrieb der Anlage auch in DDR-Zeiten immer unrentabler und nur der Bedarf von Buntmetallen, die auf dem Weltmarkt mit teuren Devisen bezahlt werden mussten, sicherte die Weiterführung bis 1969, als die Förderung der kostbaren Erze schließlich komplett eingestellt wurde. Heute dienen die Anlagen in Sachsen noch immer der Freiberger Universität zu Ausbindungszwecken. Außerdem kann man einige Schächte in Form von Führungen besuchen.