Boom. 500 Jahre Industriekultur in Sachsen Audi-Bau Zwickau

11. Juli bis 31. Dezember 2020

Landesausstellung geschlossen
vom 2. bis voraussichtlich 30.11.2020

Aufgrund der aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie wird auch die 4.  Sächsische Landesausstellung vom 2. bis voraussichtlich zum 30. November geschlossen bleiben. Dies betrifft sowohl die Zentralausstellung im Audi-Bau Zwickau als auch die Schauplatzausstellungen in Zwickau, Chemnitz, Oelsnitz, Crimmitschau und Freiberg.

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Boom. 500 Jahre Industriekultur in Sachsen

Kurator: Thomas Spring

Gestaltung: Holzer Kobler Architekturen, Zürich/Berlin

 

Der Südwesten Sachsens war eines der ersten und wichtigsten Zentren der europäischen Industrialisierung. Anders als etwa im Ruhrgebiet reichen die Anfänge seiner wirtschaftlichen Entwicklung zurück bis zum Bergbau des 16. Jahrhunderts. Kapital und Arbeit, Wissen und Innovation, Technik und Gesellschaft gingen in dieser Region zukunftsweisende Verbindungen ein. Darum beruht das Selbstverständnis Sachsens bis heute auf einem Dreiklang aus kulturellem Reichtum, Naturschönheit und einer breiten industriellen Basis.

In der Industriehalle des Audi-Baus in Zwickau inszeniert die Zentralausstellung ein eindrucksvolles kulturhistorischen Panorama. Historische Objekte und Dokumente, technische Geräte, Fotografien und Filme, aber auch wertvolle Kunstwerke und spektakuläre Medieninstallationen bieten dem Publikum überraschende Zugänge zur faszinierenden Welt einer fünfhundertjährigen Industriekultur.

Die Zentralausstellung macht die fundamentalen Veränderungen des Alltagslebens sichtbar, die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts durch neue Arbeitsformen an hoch technisierten Maschinen entstanden sind. Eine bis dahin unbekannte Mobilität oder die Allgegenwart der elektrischen Energie spielen eine ebenso große Rolle. Hinzu kommen die umwälzenden sozialen und politischen Bestrebungen, die auf die Herausforderungen des permanenten Wandels antworten. Dazu gehören die Entstehung demokratischer Verfassungen und Parteien oder der Frauenbewegung ebenso wie die revolutionären Gegenentwürfe der Kunst, die Verheißungen der Massenkultur oder die Herausbildung einer modernen Körperkultur und des Sports.

Die Zentralausstellung zeigt die Handschrift des Deutschen Hygiene-Museums in Dresden. Als »Museum vom Menschen« erzählt es die Geschichte der Industrialisierung so, dass die Auswirkungen dieses technologisch-ökonomischen Entwicklungsschubs auf die privaten und sozialen Lebensverhältnisse erlebbar werden. Mentalität und Identität der Menschen werden davon bis heute geprägt - nicht nur in Sachsen.

Der Audi-Bau Zwickau – Ort der Zentralausstellung

Die Zentralausstellung findet statt im Audi-Bau im Norden Zwickaus, einer Montagehalle der Auto Union AG aus dem Jahr 1938. Das Backsteingebäude befindet sich auf dem ehemaligen Gelände der Audi Automobilwerke GmbH Zwickau unmittelbar neben der Produktionsstrecke des VEB Sachsenring, auf der bis 1990 der Trabant gefertigt wurde – das legendäre Kult-Auto der DDR. Für die Landesausstellung wurde der Audi-Bau mit einem temporären Empfangsgebäude, modernen Serviceeinrichtungen und einem Rampensystem ausgestattet, das einen barrierefreien Zugang zur Ausstellung in der 1. Etage ermöglicht.

Rundgang durch die Zentralausstellung im Audi-Bau Zwickau

Das erste Ausstellungskapitel »Barock& Berggeschrey«, Foto: Ralph Köhler / propicture
Das erste Ausstellungskapitel »Barock& Berggeschrey«, Foto: Uwe Tölle @ Ostdeutsche Sparkassenstiftung
Foto: Uwe Tölle @ Ostdeutsche Sparkassenstiftung
Eine kulturhistorische Reflexion des erzgebirgischen Bergbaus, Foto: Ralph Köhler / propicture
Foto: Uwe Tölle @ Ostdeutsche Sparkassenstiftung
Foto: Uwe Tölle @ Ostdeutsche Sparkassenstiftung
Übergang zwischen dem ersten und dem Zweiten Kapitel »Garn & Globalisierung«, Foto: Ralph Köhler / propicture
Foto: Uwe Tölle @ Ostdeutsche Sparkassenstiftung
Foto: Uwe Tölle @ Ostdeutsche Sparkassenstiftung
Foto: Uwe Tölle @ Ostdeutsche Sparkassenstiftung
Foto: Uwe Tölle @ Ostdeutsche Sparkassenstiftung
Sicht auf das »Forum« vor dem Boom-Regal, Foto: Ralph Köhler / propicture
Foto: Uwe Tölle @ Ostdeutsche Sparkassenstiftung
Einblick in das fünfte Kapitel Trabi & Treuhand mit Sägeschränk- und Schleifautomat, Foto: Ralph Koehler/ propicture
Foto: Uwe Tölle @ Ostdeutsche Sparkassenstiftung
Übergang zwischen fünften und sechsten Ausstellungskapitel, Foto: Ralph Koehler/ propicture
Foto: Uwe Tölle @ Ostdeutsche Sparkassenstiftung
Das finale Kapitel Industriekultur 2020, Foto: Ralph Koehler/ propicture
Foto: Uwe Tölle @ Ostdeutsche Sparkassenstiftung
Die Zukunftsmacher im sechsten Kapitel »Industriekultur 2020«, Foto: Ralph Köhler / propictures
Das Motto der Landesausstellung auf dem Empfangsgebäude des Audi-Baus, Foto: Ralph Koehler/ propicture
Der Vorplatz des Audi-Bau Zwickau, Foto: Ralph Köhler / propictures
Der Vorplatz des Audi-Bau Zwickau mit dem Eingangskubus, Foto: Ralph Köhler / propictures
Das erste Ausstellungskapitel »Barock& Berggeschrey«, Foto: Ralph Köhler / propicture
Das erste Ausstellungskapitel »Barock& Berggeschrey«, Foto: Uwe Tölle @ Ostdeutsche Sparkassenstiftung
Foto: Uwe Tölle @ Ostdeutsche Sparkassenstiftung
Eine kulturhistorische Reflexion des erzgebirgischen Bergbaus, Foto: Ralph Köhler / propicture
Foto: Uwe Tölle @ Ostdeutsche Sparkassenstiftung
Foto: Uwe Tölle @ Ostdeutsche Sparkassenstiftung
Übergang zwischen dem ersten und dem Zweiten Kapitel »Garn & Globalisierung«, Foto: Ralph Köhler / propicture
Foto: Uwe Tölle @ Ostdeutsche Sparkassenstiftung
Foto: Uwe Tölle @ Ostdeutsche Sparkassenstiftung
Foto: Uwe Tölle @ Ostdeutsche Sparkassenstiftung
Foto: Uwe Tölle @ Ostdeutsche Sparkassenstiftung
Sicht auf das »Forum« vor dem Boom-Regal, Foto: Ralph Köhler / propicture
Foto: Uwe Tölle @ Ostdeutsche Sparkassenstiftung
Einblick in das fünfte Kapitel Trabi & Treuhand mit Sägeschränk- und Schleifautomat, Foto: Ralph Koehler/ propicture
Foto: Uwe Tölle @ Ostdeutsche Sparkassenstiftung
Übergang zwischen fünften und sechsten Ausstellungskapitel, Foto: Ralph Koehler/ propicture
Foto: Uwe Tölle @ Ostdeutsche Sparkassenstiftung
Das finale Kapitel Industriekultur 2020, Foto: Ralph Koehler/ propicture
Foto: Uwe Tölle @ Ostdeutsche Sparkassenstiftung
Die Zukunftsmacher im sechsten Kapitel »Industriekultur 2020«, Foto: Ralph Köhler / propictures
Das Motto der Landesausstellung auf dem Empfangsgebäude des Audi-Baus, Foto: Ralph Koehler/ propicture
Der Vorplatz des Audi-Bau Zwickau, Foto: Ralph Köhler / propictures
Der Vorplatz des Audi-Bau Zwickau mit dem Eingangskubus, Foto: Ralph Köhler / propictures

Die 6 Kapitel der Zentralausstellung – 500 Jahre vergangene Zukunft

Barock & Berggeschrey

Gemälde: Ausschnitt aus dem Annaberger Bergaltar. Bergmänner im traditionellen Gewand  kippen Geröll ab und zerkleinern das Erz. Ein anderer Arbeiter zieht Eimer aus einem Schacht.
1470 bis 1813

Ende des 15. Jahrhunderts lösen Silberfunde im Erzgebirge das „Zweite Berggeschrey“ aus. Es lockt Menschen aus ganz Europa nach Sachsen und führt zu einer beispiellosen Boom-Phase. In Renaissance und Reformation entsteht aber auch ein neues Menschenbild: Frei von mittelalterlichen Zwängen ist man jetzt nur sich selbst und seiner Arbeit verpflichtet. Es entfaltet sich eine wirtschaftliche und naturwissenschaftliche Dynamik, die bis in das Zeitalter des Barock anhält.

Garn & Globalisierung

Gemälde: Händler übergeben 1765 Merino-Schafe an den Kurfürsten. Gemalt  von Theobald von Oer, um 1872.
1763 bis 1914

Nach dem verlorenen Siebenjährigen Krieg (1756 – 1763) wird in Sachsen planmäßig ein gesellschaftliches Innovationsklima geschaffen. Als Motor der Entwicklung entsteht die international vernetzte Textilindustrie und der Maschinenbau. In dieser Zeit wird die industrielle Basis gelegt, von der die sächsische Wirtschaft noch bis zum Vorabend des Ersten Weltkrieges profitieren sollte. 1914 ist Sachsen das Land mit dem stärksten Industrialisierungsgrad im gesamten Deutschen Reich.

Karl Marx & Karl May

Foto: Stahlgießer in Leipzig-Plagwitz bei der Arbeit,um 1900.
1831 bis 1914

Die Epoche der Hochindustrialisierung ist die Zeit eines rasanten Fortschritts in Wissenschaft und Industrie. Es brechen aber auch neuartige soziale Konflikte auf, die das Leben der Menschen immer stärker bestimmen. Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Kultur erfinden nicht nur revolutionäre Techniken und Maschinen, sie entwickeln auch neue Formen des Zusammenlebens und entwerfen Ideen für Gesellschaftsmodelle, die bis in unseren heutigen Alltag nachwirken.

Schockensöhne & Sachsenstolz

Foto: Seitenansicht einer  Schnellzuglokomotive von 1918. Links daneben stehen zwei Männer, deren Körpergröße im Vergleich zur Lokomotive ein Drittel beträgt.
1904 bis 1945

Die Zeit vom Vorabend des Ersten bis zum katastrophalen Ende des Zweiten Weltkrieges ist von bahnbrechenden Erfindungen und tiefgreifenden Umwälzungen in allen Bereichen der Gesellschaft bestimmt. Gleichzeitig ist diese Epoche von einer beispiellosen, industriell geformten und organisierten Gewalt geprägt. Wie in anderen Regionen Europas entsteht auch in Sachsen eine Kultur der Massen und des Massenkonsums.

Trabi & Treuhand

Foto: Acht Ingenieure des VEB Sachsenrings sitzen oder stehen auf einem blauen Trabant, um 1955/60.
1945 bis 1995

Viele Sachsen musste die Erfahrung von radikalen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbrüchen mehrfach mitmachen. Der Trabant ist das Symbol des  Wirtschaftssystems der DDR; er ist aber nach wie vor auch ein Lebensgefühl. Das Kapitel thematisiert die Arbeitswelten und den Alltag der Menschen bis zur politischen Wende sowie die Brüche und Chancen, die der anschließende Strukturwandel mit sich brachte.

Industriekultur 2020

Foto: Wissenschaftlerin arbeitet in Schutzkleidung in einem Labor. Sie betrachtet prüfend einen runden, spiegelnden Gegenstand.
1995 bis 2020 und darüber hinaus

Ähnlich wie in den historischen Boom-Phasen zeichnen sich auch heute wieder positive Entwicklungen ab. Das sind ein wacher Unternehmergeist, auf Forschung und Wissen gründende Innovationen und die Fähigkeit zum ständigen Wandel. Wie können die Herausforderungen der Globalisierung, der Digitalisierung und des demografischen Wandels gemeistert werden? Welche Zukunftsentwürfe, welche Visionen sind für Morgen wichtig und schon heute erkennbar?

Katalog

Boom. 500 Jahre Industriekultur in Sachsen

Bergbau, Eisenbahn und Maschinen, Textilien, Autos und Mikrochips – Sachsen wird bis heute stark durch seine Industrie geprägt. Der Band beleuchtet in einem großen kultur­historischen Panorama die wechsel­volle Geschichte von Industrie und Geld, Arbeit und Technik, Wissen und Innovation, Gesell­schaft und Politik. Mit wissenschaftlichen und journalistischen Texten und Interviews gibt er Einblicke in Diskus­sionen, führt durch 500 Jahre sächsische Industrie­kultur und liefert mögliche Zukunfts­visionen für den Freistaat.

Mit Beträgen von: Helmuth Albrecht, Rudolf Boch, Marcus Böick, Ulrich Borsdorf, Thomas Dietze, Emmanuel Eckardt, Claudia Emmert, Sönke Friedreich, Michael Fritsch, Janosch Förster, Cornelia Fünfstück, Thomas Hänseroth, Christian Hunziker, Jens Kassner, Peter Kirchberg, Nele-Hendrikje Lehmann, Hans-Georg Lippert, Winfried Müller, Karl Borromäus Murr, Jürgen Nitsche, Joachim Ragnitz, Doreen Reinhard, Michael Schäfer, Mike Schmeitzner, Susanne Schötz, Swen Steinberg, Juliane Thar, Johannes Zeilinger und Hartmuth Zwar

Zukunftsmacher*innen, Bild: Avanga Filmproduktion GmbH

Sachsens Zukunftsmacher


Ähnlich wie in den historischen Boom-Phasen sind auch heute viele positive Trends spürbar: Ein wacher Unternehmergeist, auf Forschung gründende Innovationen und die Bereitschaft zu permanentem Wandel.

In Sachsen stellen sich viele Zukunftsmacher den Herausforderungen der Globalisierung, der Digitalisierung und des demografischen Wandels. Wie soll die Zukunft aussehen und was müssen wir heute dafür tun?

Im letzten Ausstellungskapitel Industriekultur 2020 begegnen uns auf übermannshohen Monitoren Menschen aus Sachsen die mit Ihren Unternehmen ein Stück der Zukunft des Freistaates aktiv gestalten. Gemeinsam mit den Besucher*innen werfen sie einen Blick auf die Welt von morgen und zeigen, welche Chancen eine lebendige Wissenschaftslandschaft und Wirtschaftsregion bietet.

Die Zukunftsmacher wurden zusammen mit der Dachmarke des Freistaats Sachsen so geht sächsisch und der Avanga Filmproduktion GmbH realisiert.

Wissenschaftlicher Beirat der Zentralausstellung

Die Zentralausstellung im Audi-Bau Zwickau diskutiert die These der 500-jährigen Industriekultur in Sachsen sowie ihre Bedeutung für die sächsische Identität und gibt einen Ausblick auf ihre Zukunft. Dabei sollen weniger technische Aspekte als vielmehr wirtschafts- und sozialgeschichtliche Themen im Mittelpunkt stehen. Um die angestrebte gesellschaftliche und wissenschaftliche Themenbreite zu gewährleisten, steht der Wissenschaftlichen Beirat, der vom Deutschen Hygiene-Museum ernannt wurde, dem kuratorisch-wissenschaftlichen Team der Zentralausstellung beratend zur Seite.

  • Prof. Dr. Helmuth Albrecht, Lehrstuhlinhaber für Technikgeschichte und Industriearchäologie der TU Bergakademie Freiberg
  • Prof. Dr. Ulrich Borsdorf, Gründungsdirektor des Ruhr Museum Essen
  • Dr. Claudia Emmert, Direktorin des Zeppelin Museum Friedrichshafen
  • Prof. Dr. Thomas Hänseroth, Lehrstuhlinhaber für Technik- und Technikwissenschaftsgeschichte an der TU Dresden
  • Prof. Dr. Winfried Müller, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.
  • Dr. Karl Borromäus Murr (Vorsitzender), Direktor des Staatlichen Textil- und Industriemuseum Augsburg
  • Prof. Dr. Bénédicte Savoy, Leiterin des Fachgebiets Kunstgeschichte der Moderne an der TU Berlin
  • Prof. Dr. Susanne Schötz, Lehrstuhlinhaberin für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der TU Dresden